6 Dinge, die ich gern vor der Wahl meines Studienganges gewusst hätte

Was soll ich studieren? Welcher Studiengang passt zu mir? Was gibt mir die richtige berufliche Zukunft? Wie verdiene ich viel Geld?

All das sind vermutlich Fragen, die du dir jetzt stellen magst, falls du gerade nach einem Studiengang für dich suchst. Ich weiß jedenfalls, dass diese Fragen mir damals im Kopf herumgeschwirrt sind!

Die Wahl des Studienganges fühlte sich damals wie die wichtigste Entscheidung in meinem Leben an. Ein ziemlicher Stress für einen jungen Menschen! Man hat Sorge, dass wenn man die falsche Entscheidung trifft, sich Chancen fürs ganze Leben verbaut.

In diesem Blogpost nenne ich dir 6 Dinge, die ich gern gewusst hätte, bevor ich einen Studiengang gewählt habe. Es hätte mir einiges an Kopfschmerzen und Sorge erspart.

Zu diesem Beitrag gibt es auch eine dazugehörige Podcastfolge (Was soll ich studieren? 6+1 Ratschläge, die ich meinem früheren Ich geben würde). In dieser Podcastfolge gehe ich ausführlicher auf das Thema ein. Ich teile mehr Details aus meinem Leben und mache es unterhaltsam und erzählerisch. Höre gern mal rein!


6 Tipps für die Wahl deines Studienganges

1. Spiele zu deinen Stärken

Die richtige Wahl des Studienganges kann man eigentlich auf drei Fragen runterbrechen. Wenn du diese drei mit voller Überzeugung beantworten kannst, könntest diesen Blogpost wieder schließen und dich direkt der Suche nach der richtigen Universität widmen.

Welche drei Fragen sind in der Wahl des Studienganges wichtig?

  1. Was interessiert mich?
  2. Was wird gut bezahlt?
  3. Worin bin ich gut?

Du musst wissen, dass ich diese Fragen damals nicht beantworten konnte. Stattdessen habe ich einen Studienberatertest gemacht, der mir dann Nanowissenschaften empfohlen hat (mehr zu der Backstory erzähle ich in der zu diesem Post gehörende Podcastfolge).

Als ich den Studienberatertest gemacht habe, habe ich nur die ersten beiden Fragen beachtet. Ich habe Nanowissenschaften in der Ergebnisliste gesehen und dachte mir: “Cool, das finde ich interessant, klingt total zukunftsträchtig und wird auch gut bezahlt”.

Das stimmt zwar auch, doch ich habe mir aber zu wenig Gedanken darüber gemacht, ob ich auch wirklich gut darin bin.

Mitten im Studium musste ich feststellen: Naturwissenschaften sind einfach nicht meine stärksten Fächer. Bei der Wahl meines Studienganges hatte ich einen zu intensiven Fokus darauf gelegt, was gut bezahlt wird und interessant klingt.

Glücklicherweise für mich gab es ein Modul Informatik im Studium. Darin lernten wir die Grundlagen im Programmieren. Das war für mich wie ein frischer Wind, wie eine Tasse Kakao im Winter – ich hatte darin nämlich etwas gefunden, worin ich tatsächlich gut war! Besser als die meisten meiner Kommilitonen! Auch, wenn ich die Klausur verhältnismäßig in den Sand gesetzt habe; das hatte andere Gründe. Ich war eigentlich wirklich gut in Informatik.

Das Traurige ist: Ich hätte schon vor meinem Studium wissen können, dass Informatik eher meinen Stärken entspricht. Hier ist ein praktisches Werkzeug, mit dem du herausfinden kannst, was du studieren solltest:

Eine wertvolle Technik, um den richtigen Studiengang zu finden

Falls du nach dem richtigen Studiengang für dich suchst, kann ich dir folgende Technik empfehlen:

  • Nimm ein Zettel und Stift.
  • Zeichne ein Venn-Diagramm aus drei Kreisen. Das ist dieses Diagramm, wo drei Kreise wie in einem Dreieck zueinander liegen und sich teilweise überlappen.
  • Den einen Kreis betitelst du mit “Was ich gut kann”. Den anderen mit “Meine Leidenschaft”. Den letzten mit “Was gut bezahlt wird”.
  • Schreibe verschiedene Studiengänge und Karrieren in die Schnittmengen der Kreise. Merke dir was in der Mitte steht: Etwas, was auf alle drei Kreise zutrifft. Aus diesen solltest du dir etwas aussuchen.
Venn-Diagramm von drei Kreisen. Sie tragen die Titel "Was ich gut kann", "Wird gut bezahlt" und "Meine Leidenschaft". In den Kreisen sind Tätigkeiten geschrieben.
Mit einem Venn-Diagramm kannst du erfolgreich nach dem richtigen Studiengang für dich suchen.

2. Bedenke, welchen Lifestyle du anstrebst

Nicht nur hatte ich bemerkt, dass Naturwissenschaften nicht meine Stärke waren: Ich begann, den Lifestyle als Wissenschaftler infrage zu stellen.

Ein Studium in Nanowissenschaften endet grundsätzlich damit, dass man an der Universität bleibt und forscht. Es gibt fantastische Vorteile daran: Man hat die Freiheit, seine eigenen Aufgaben selbst zu definieren. Welches Experiment startest du als nächstes? Welche wissenschaftliche Frage versuchst du zu beantworten? Reisen kann man auch, es ist sogar sehr gut für den Lebenslauf, an verschiedenen Instituten zu arbeiten, dort ein paar Jahre als GastforscherIn zu verbringen.

Doch eins musst du wissen. Wenn du in die Wissenschaft gehst, dann wirst du im Laufe der Zeit lernen, wie wenig du doch tatsächlich über dein Gebiet weißt, und du wirst jahrelang auf der Suche nach etwas sein, das du vielleicht niemals findest.

In meinem Fall war das aus zwei Gründen nicht passend:

  • Ich strebe nach höherer Optionalität im Leben. Das bedeutet, dass ich mich nicht so lange an ein Projekt binden möchte.
  • Ich bin ein fauler Mensch, der schnell Ergebnisse sehen will.

Mir gefällt zwar die Freiheit des Wissenschaftlers, den Fragestellungen nachzugehen, die ihn oder sie interessieren (wobei man da auch ein Sternchen ranhängen muss, da WissenschaftlerInnen von externen GeldgeberInnen abhängig sind) – die Karriere als Wissenschaftler würde aber realistisch gesehen nicht dazu führen, dass ich mir eines Tages einen Namen machen würde, dass ich früher in Rente gehen würde, dass ich viel Optionalität genießen würde, dass ich nennenswertes passives Einkommen haben würde. Das sind alles Dinge, die ich in meiner Karriere anstrebe.

Hätte ich vor meinem Studium mir überlegt, ob der Job auch zu meinem Lifestyle passt, hätte ich mir potenziell viel Lebenszeit sparen können.

3. Verlasse dich nicht auf StudienwahlberaterInnen

Vielleicht warst du bereits verleitet, so einen Online-“Was soll ich studieren?”-Test zu machen. Oder sogar eins von den Wochenend-Seminaren, die einen Haufen Geld kosten und dir im Gegenzug versprechen, den maßgeschneiderten Beruf für dich zu finden.

Ich kann verstehen warum, schließlich habe ich damals auch einen gemacht!

Der Hauptgrund, warum ich mir selbst empfehlen würde, keinen solchen Test, kein solches Seminar zu besuchen, ist folgender:

Studienwahlberatungen empfehlen dir kuriose Randstudiengänge, um ihre eigene Notwendigkeit zu rechtfertigen.

Was meine ich damit?

Stell dir vor, du hast im Sinn, dass du etwas mit Menschen machen willst, vielleicht etwas im Gesundheitswesen. Du wolltest schon immer anderen helfen. Mehr weißt du aber noch nicht.

Nun besuchst du ein Wochenendseminar. Ihr macht Persönlichkeitstests, Gruppenübungen, Rollenspiele und Wissenstests, um genau herauszufinden, was euch liegt, was ihr könnt, was ihr mögt.
Zwei Tage und 600€ später bekommst du das Ergebnis:

Medizin. Du sollst Medizin studieren.

Würdest du dich nicht über den Tisch gezogen fühlen? Hättest du wirklich das Gefühl, das Ganze wäre den Aufwand wert gewesen, wenn du am Ende sowieso bloß bestätigst bekommst, was du vorher schon vermutet hattest – dass du ins Gesundheitswesen gehen möchtest?

Nein, natürlich wäre das doof. Die Studienwahlberatungen wissen das ganz genau. Sie werden dir nichts vorschlagen, was du vorher schon auf dem Schirm hattest. Sie werden versuchen, dich zu überraschen, dir etwas ganz Neues präsentieren, “auf das du ohne sie niemals gekommen wärst”. Nur so lässt sich ihr Aufwand und ihr Preis rechtfertigen.
Eine Freundin von mir sollte Japanologie studieren, eine andere sollte Stimmtrainerin werden, ich sollte Nanowissenschaften wählen! – ganz sensationell außergewöhnliche Berufe und Studiengänge.

Gut, an sich ist an diesen Optionen erst mal nichts auszusetzen. An ihnen ist ja nichts Schlechtes per sé. Ich bereue es nicht, Nanowissenschaften studiert zu haben. Ehrlich, es hat mich herausgefordert, ich bin dadurch gewachsen, und ich habe gute Freunde dort gefunden.

Ich bin allerdings kein Fan von der Tatsache, dass dieser Studiengangstest meinen Blick von den traditionelleren Fächern abgelenkt hat. Es war ein Erfolgsgefühl, die Auswahl auf eine kurze Ergebnisliste einzugrenzen, aber ziemlich sicher auch ein Fehler. Mit dem Venn-Diagramm beispielsweise, das ich in Tipp 1 genannt habe, wäre ich wohl auf ein passenderes Fach gekommen.

Die Tage sind vorbei, an denen du in deinen Zwanzigern deinen Beruf wählst und fertig. In deinem Arbeitsleben wirst du dich mehrmals neu ausbilden.

4. Wähle etwas, das dich mental herausfordert

Ich hatte überlegt, den Tipp anders lauten zu lassen, nämlich: “Sei nicht der Klügste im Raum”.
Das wäre ein Tipp, den ich hervorragend befolgt habe ;)!

Ich kam an die Universität mit der Einstellung, dass Schule ohne große Anstrengung zu packen sei, also könnte es an der Uni ja so anders nicht sein.

Anstatt kontinuierlich am Studienmaterial zu arbeiten, habe ich mich für die wundervolle Option entschieden, den Stoff des gesamten Semesters auf die zwei Wochen vor den Klausuren zu schieben. Damit fährst du ganz schnell gegen die Wand, das sag ich dir.

Aber es ist eigentlich egal: Selbst wenn mir jemand diesen Ratschlag vor dem Studium nochmal deutlichst eingeschärft hätte, hätte ich es in den Wind geschlagen, trotzdem abends Serien geschaut, statt die Vorlesungen nachzuarbeiten, und wäre auf die Schnauze gefallen, so wie Millionen Studenten vor mir. So ist der Kreislauf des Lebens.

Das ist auch gar nicht so schlimm. Aus dem Verhalten kommt man wieder raus. Die Uni bläut dir die nötige Disziplin ein, und du wirst schon eine tüchtige Arbeitsmoral bilden.

Dabei hat es auch unheimlich für mich geholfen, bei weitem nicht der Klügste im Studium zu sein: Es lehrte mich Demut, die Fähigkeit, um Hilfe zu bitten und allgemein hält es den Verstand scharf, sich mit intelligenten Leuten zu umgeben. “Du bist der Durchschnitt der 5 Leute, die dir am nächsten stehen”, diesen Satz hatten wir bereits in einer Podcastfolge besprochen.

Den Stoff im Nanowissenschaften-Studiengang aufzunehmen, war ein bisschen, wie aus einem Hydranten trinken zu wollen: Ein gewaltiger Strahl kommt auf dich zugeschossen und haut dich von den Füßen mit viel mehr, als du schlucken kannst. Aber auf eine Weise hatte das auch etwas Gutes: Am Ende war man außerordentlich stolz, es trotz der Herausforderung geschafft zu haben.

Und nicht zu vernachlässigen: Wenn dein Studiengang kompliziert klingt, so wie Nanowissenschaften, dann werden andere Leute deinen Abschluss respektieren und hoch anrechnen. Sie werden sagen: “Boah, das könnte ich nicht”. Viele von ihnen könnten es wohl, aber ich widerspreche ihnen nie.

Wähle etwas, das dich mental herausfordert. Es schärft deinen Verstand und bringt dir bei, zu denken.

5. Studiere etwas Technisches, das dir erlaubt, zu kreieren

Dieser Tipp ist etwas spezifischer, weil es stark auf meine Erfahrungen abgestimmt ist, und deswegen halte ich es auch etwas kürzer.

Was meine ich mit “etwas Technisches, das dir erlaubt, zu kreieren”? Lass uns das in zwei Teile teilen.

Zuerst: Warum etwas Technisches?

  1. Es liegt mir einfach, und
  2. ich erzähle dir vermutlich nichts Neues, wenn ich dir sage, dass der Arbeitsmarkt total heiß für Informatiker ist. Die pure Ballung an Optionalität wird dir auf den Teller geschaufelt, wenn du mit Ahnung von Computer Science in den Markt gehst. Ich habe das Glück, mir aussuchen zu können, wo auf der Welt ich leben möchte, und kann sonstwo innerhalb von 3 Wochen einen neuen Arbeitsvertrag unterschreiben, sollte ich ihn benötigen. Das liegt nicht an mir und meinen “außerordentlichen Fähigkeiten”, sondern einfach an dem Fachkräftemangel.

Warum etwas, mit dem man kreieren kann?

Vielleicht hast du es noch nicht gewusst, aber ich bin ziemlich angefixt von dem Thema der Selbstbestimmung.

Das bezieht sich auch auf das Berufliche. Wenn du in der Lage bist, mit deinen eigenen Händen etwas von Wert zu erschaffen – Software zu schreiben, digitale 3D-Modelle zu basteln, zu designen – dann wirst du beruflich Optionen haben. Egal was kommt, wo du bist, welche Firmen gerade einstellen, wie die Wirtschaftslage ist, du könntest eigenhändig einen Mehrwert schaffen. Wenn du den dann vermarkten kannst, dann wird dir immer die Möglichkeit bestehen bleiben, deine Lebensgrundlage zu bestreiten.

Auf eigenen Beinen stehen zu können ist so unheimlich wichtig für diese und die zukünftigen Generationen am Arbeitsmarkt. Die Tage sind vorbei, an dem du eine Karriere wählst und fertig. In deinem Arbeitsleben wirst du dich mehrmals neu ausbilden.

Und dafür eignet sich etwas Technisches eben am besten.

Warte ja nicht auf den “richtigen Moment”. Der wird niemals kommen.

6. Wenn du es nicht liebst, dann wechsle

Weißt du, wenn jemand seinen Studiengang wechselt, ist das meist mit einem Stigma, mit dem Urteil Dritter und der falschen Wahrnehmung des Fehlschlags verbunden.

Ich habe das nie verstanden. Wenn jemand eine schwere Entscheidung treffen kann, auch wenn Kommiltonen, Freunde und Familie unfairerweise den Kopf schütteln mögen, nämlich wenn man seinen Studiengang abbricht und sich für etwas Besserpassendes entscheidet – dann ist diese Entscheidung für mich eine tolle, charakterstarke Form der Selbstbestimmung!

Genau das habe ich auch schon damals Leuten in meinem Umfeld gesagt, die wechseln wollten.

Wir hatten damals einen Kommilitonen, der ein Herz aus Gold hatte. Leider war er in einer Situation, in der der Studiengang nicht zu ihm gepasst hat, doch er fühlte sich trotzdem gezwungen, zu bleiben (mehr zu dieser Geschichte in der Podcastfolge).

Äußere Umstände machen es diesem armen Kerl unheimlich schwierig, den Studiengang zu wechseln. Und vielleicht denkst du auch, dass wenn du dich mal für ein Fach entschieden hast, und allen in deinem Umkreis verkündet hast, dass du es durchziehst, dass es dann kein Zurück mehr gibt.
Der junge Patrick von damals, der hat so gedacht.

Eines habe ich aber gelernt: Die Leute um dich herum, die du nicht enttäuschen willst, die finden das gar nicht schlimm, wenn du drei Projekte ankündigst und sie alle wieder verwirfst. Vorausgesetzt, für diese drei gibt es ein Projekt, das du dann auch durchziehst.
Ich würde die Optionalität in meinem Leben, gerade in meinen Zwanzigern, also auf keinen Fall hergeben wollen.

Wenn du es nicht liebst, dann wechsle. Und warte ja nicht auf “den richtigen Moment”! Der wird niemals kommen.


Das waren die 6 Ratschläge, die ich gern gewusst hätte, als ich nach dem richtigen Studiengang für mich gesucht habe. Ich hoffe sehr, dass sie dir helfen werden.

Wenn dir dieser Beitrag geholfen hat, dann freue ich mich, falls du ihn mit Leuten teilst, die auch davon profitieren könnten – fallen dir da welche ein?

Fehlt da noch ein Tipp? Was hast du studiert? War es die richtige Wahl für dich? Lass es mich in den Kommentaren wissen. Ich lese sie alle.

Höre gern in meinen Podcast “Charakter: Marke Eigenbau” rein. Jeden zweiten Donnerstag veröffentliche ich dort Werkzeuge, Techniken und Tricks für ein ambitioniertes Leben. Höre den Podcast jetzt auf Apple Podcasts, Spotify, Overcast oder deiner Lieblingspodcastplattform.

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