Der Weg des Individualisten – Sei frei vom Urteil und Einfluss anderer

Stresst du dich auch manchmal, weil du dir Sorgen machst, was andere über dich denken? Wärst du gern frei von externen Erwartungen, und Angst vor Schande und Fehlschlag? In dieser Folge spreche ich über den Persönlichkeitstypen des Individualisten, der eine dicke Haut für diesen Druck aufweist, und was wir von ihnen lernen können.

Shownotes

Das hörst du in dieser Folge Charakter: Marke Eigenbau

  • Was Individualisten sind und sie ausmacht
  • Warum Patrick sich ebenfalls als Individualist identifiziert
  • Was Patrick als Trainer seines Quidditchteams bereut
  • Konkrete Tipps, wie wir uns von dem Bedürfnis, anderen zu gefallen, befreuen können

Die Website des Podcasts

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[00:00]: In Bloom (Instrumental Version) – Victor Lundberg
[03:31]: Organized Chaos – Arthur Benson
[11:03]: Happy Without You – Wildson
[17:19]: Wandering Nomad – Cody Francis

Kapitelmarken

[00:00]: Was ist ein Individualist?
[07:46]: Warum Patrick sich als Individualist identifiziert
[10:24]: Warum es Probleme geben kann, wenn Individualisten zu Entscheidungsträgern werden
[14:33]: Wie können wir uns freimachen von unserem Bedürfnis, anderen zu gefallen?

Nützliche Links

Folge Einsamkeit: Warum ambitionierte Menschen für sie anfällig sind – In dieser Folge erkläre ich unter anderem, warum wir Menschen darauf ausgelegt sind, uns so stark um die Meinung anderer zu kümmern.

Mehr Infos über den Persönlichkeitstyp “Individualist” auf der beliebtesten Seite für Persönlichkeitstests

Steve Jobs’ volle Rede vor dem 2005er Stanford-Jahrgang

Transkript

In dieser Folge Charakter: Marke Eigenbau möchte ich dir ein Lebenskonzept vorstellen. Eins, das ich schon seit meinen Jahren als Jugendlicher auslebe, ohne mir dessen bewusst gewesen zu sein. Im Nachhinein betrachtet, ergeben viele meiner Erinnerungen an mein Sozialleben und Entscheidungen, die ich traf, mehr Sinn. Jetzt, wo ich dieses mentale Modell als Referenz benutzen kann.

Ich spreche vom Weg des Individualisten. Ein Individualist ist jemand, der sein Leben nach eigenen Wertvorstellungen ausrichtet und einen persönlichen Lebensstil ausgearbeitet hat. Jemand, der seinen Charakter der Marke Eigenbau auslebt.

Individualisten haben ein bisschen was von Aussteigern: Sie entscheiden sich, beim ständigen Wettkampf um Anerkennung und das Steigen in der sozialen Rangordnung nicht mitzuspielen. Sie vertrauen sich selbst. Respekt vor sich selbst ist ihnen enorm wichtig. Sie verbringen gern mal Zeit allein und erweitern ihre Interessen und Fähigkeiten. Ihre innere Welt treibt sie mehr an als die Erwartungen anderer.

“Der Individualist” ist also ein Archetyp, eine Schablone, ein Persönlichkeitstyp. Ich stütze mich bei der Beschreibung nicht auf aktuelle Geisteswissenschaft, sondern hauptsächlich auf meine eigene Lebenserfahrung.
Denn ich trage definitiv einen Teil dieser Schablone in mir. Gleichzeitig sei gesagt, dass sie nicht 1:1 zu mir passt, und meine Persönlichkeit offensichtlich aus mehr Aspekten besteht, als nur durch einen Persönlichkeitstyp zu erfassen ist – und das gilt auch für jeden anderen Menschen.

Außerdem handelt es sich natürlich bloß um ein Ideal, eine deskriptive Beschreibung, keine präskriptive. Das bedeutet: Ich zeichne das Bild des Individualisten nur zur Verdeutlichung, wertungsfrei, und sage nicht, jeder habe genauso zu sein.

In der Tat gibt es aber eine Eigenschaft der idealen Individualisten, dir wir uns abschauen können: Ihre Freiheit vom Urteil und Einfluss anderer.

Wie viele Entscheidungen treffen wir nicht zu unserem eigenen Besten, sondern um anderen zu gefallen oder um fremde Erwartungen zu erfüllen? Wie sehr verbiegen wir uns für andere? Wie oft verzichten wir auf Dinge, die uns glücklich machen, weil wir uns Sorgen darüber machen, was unsere Mitmenschen von uns denken mögen?

Da fällt mir eine Geschichte ein, wie ich mal 7? 8? Jahren mit dem Hund spazieren war. Ich ging dann am Straßenrand entlang, in unserer verkehrsberuhigten Straße, und sang vor mich hin. Es war keiner dort, deswegen fühlte ich mich ermutigt, die Titelmelodie von Pokemon lauthals zu singen. “Ich will der Allerbeste sein, wie keiner vor mir wa-” – plötzlich brach ich ab, weil an der anderen Seite des Autos, an dem ich gerade vorbei ging, ein Opa mit grimmigem Blick vorbei kam. Den hatte ich vorher nicht gesehen. Er musste mich klar und deutlich gehört haben. Ohhh mein Gott.. ich lief sofort rot an wie eine Tomate und senkte den Kopf in Schande und hielt die Klappe.

Damals war es mir noch total peinlich. Warum eigentlich? Warum soll es uns unangenehm sein, auf der Straße eins unserer Lieblingslieder anzustimmen, wenn uns danach ist? Warum verstecken wir unsere Gefühle, was tun wir alles für bizarre Dinge, bloß um unsere Wünsche und Ängste vor anderen zu verbergen?

Einmal war ich mit einem Kumpel in einer Bar auf ein Feierabendbier, in einer Stadt, in der wir neu waren. Ich hatte keine Lust, dass wir uns bloß zu zweit miteinander unterhielten, denn warum sollte man dann in eine Bar gehen? Dann könnte man sich ja auch gleich zuhause treffen. Außerdem war es sowieso brechend voll, also würden wir keinen Tisch für uns alleine kriegen.
Also schlug ich vor, dass wir einen Tisch mit anderen teilen sollten. Ich könnte ja einfach zu diesem Typen da gehen – ich zeigte auf einen Stehtisch in der Ecke – und ihn ansprechen, schauen, ob wir uns dazu gesellen dürfen. Mein Kumpel meinte so, “jaja, klar”, also stand ich auf, ging ein Schritt in die Richtung und da wurde er ganz nervös. Er stoppte mich und schaute mich mit weiten Augen an. “Wie, jetzt? Einfach so?”.

Gut, ich weiß, dass das viele Leute nervös machen würde. Eigentlich wollten ja nicht wirklich was von denen, wir wollten ihnen nichts verkaufen, wir wollten sie nicht aufreißen, wir wollten uns bloß mit ihnen unterhalten, aber klar – nur wenige fühlen sich wohl damit, fremde Leute anzusprechen, besonders, weil es nicht gerade Teil unserer Kultur hier in Deutschland ist. Vollkommen verständliches Verhalten meines Kumpels also. Bis dahin.

Er fing dann aber an, so einen ausgeklügelten Plan auszuhecken, wie ich ja alleine hingehen könnte, und er täte so, als würde er auf Toilette gehen, und schließt sich dann unserem Tisch an, und wenn x, dann z, und wenn r, dann y. All das, nur um die grenzenlose Scham nicht mitzubekommen, falls die Leute mit dem Kopf schütteln und uns mitteilen, dass sie leider keinen Platz mehr am Tisch haben.

Es ist so: Ich möchte nicht die Scheu meines einen Kumpels darstellen. Nein, ich glaube sogar, dass viele Leute lieber schauspielern würden, dass sie die Toilette besuchen, als mit an den Tisch zu gehen. Die meisten, wahrscheinlich. Das ist nichts, was einem unangenehm sein soll.

Ich möchte damit bloß aufzeigen, was für Strecken wir gehen, nur um unsere wahren Intentionen vor anderen Menschen zu verbergen. Wie wir uns fürchten vor dem Kopfschütteln anderer, dem ablehnenden Urteil von Fremden. Und darum setzen wir Masken auf, werden zu Schauspielern, sind unehrlich.

Und das noch nicht besonders gut! Nachdem ich zum Tisch gegangen war, und sich direkt zeigte, dass wir herzlich willkommen waren, kam mein Kumpel schon nach 10 Sekunden auf mysteriöse Art und Weise von der Toilette wieder zurück. Das ging ja schnell, mein Freund! Und dann, schließlich, verbrachten wir einen wundervollen Abend mit dem jungen Herren und den zwei Damen am Tisch.

Individualist zu sein, bedeutet, einen anderen Weg – deinen eigenen Weg – zu gehen. Dein Glück wird nicht vom Urteil anderer Leute abhängig sein. Auch dein Selbstwert wirst du nicht von außen bestimmen lassen, sondern du selbst definieren. Du wirst Respekt vor dir selbst haben, und andere auch. Du wirst dich von anderen Leuten nicht so leicht stressen lassen. Du wirst eine selbstbewusste Ruhe ausstrahlen. Deine starken Werte lassen dich zum Anführer werden – weil du mit deinem Handeln ein ehrenswertes Beispiel setzen wirst. Selbst, wenn du dabei Gegenwind verspürst.

Und nicht zuletzt weiß ich, dass dieser Lebensstil dich attraktiv für potenzielle Partner macht. Komm schon, das ist ein ziemlich guter Grund, um die Unabhängigkeit des Individualisten zu übernehmen. Ab hier immer leiser Ich meine, wer möchte nicht attraktiver auf andere Menschen wirken? Hat nicht jeder den Wunsch, auf potenzielle PartnerInnen…

Individualismus und Optionalität

Bevor ich über das rede, was dich eigentlich interessiert – nämlich über Tipps, wie man die Freiheit des Individualisten adaptieren kann – nehme ich mir selbst die Freiheit, um vorher über mein Lieblingsthema zu sprechen: Über mich selbst.

Genauer gesagt: Was ist es an mir, was mir Anlass gibt, mich als Teil Individualist selbstzudiagnostizieren?

Nun, LangzeitzuhörerInnen wissen, dass Optionalität ein starkes Motiv in meinem Leben ist. Meine noch jungen Jahre möchte ich damit verbringen, das Leben als eine Reihe von Experimenten zu sehen. Dinge ausprobieren, Fehler machen, und dabei ein paar Goldnuggets finden, darum geht es. Metaphorisch wie ein Goldsucher am Fluss immer wieder das Sieb ins Wasser halten, und schauen, was man finden kann: Das ist Optionalität.

Wenn man die Optionalität als Lebenskonzept wirklich durchziehen will, ist es enorm wichtig, sich zunächst klar zu werden, welche Vorstellungen, Werte, Wünsche und Ziele man hat. Was sollen einem noch so viele Optionen sonst bringen, wenn man kein Wertesystem hat, nach dem man entscheiden kann, was gute und was schlechte Optionen sind? Gute Optionen sind die, die dich näher zu dem bringen, was du willst und was gut für dich ist. Aber dafür muss man eben zuerst wissen, was man überhaupt will.

Meine Probleme damit, mich unterzuordnen

Also, ein starkes Wertesystem. Auch Individualisten haben es. Sie mögen es nicht, sich nach fremdbestimmten Normen richten zu müssen, wenn sie den Sinn in ihnen nicht sehen. Sie entwickeln deswegen ihren persönlichen, selbstgebastelten Lebensstil, der das widerspiegelt, woran sie glauben.

Für manche, wie mich, geht es sogar soweit, dass sie alles andere gar nicht tolerieren mögen: Ich, zum Beispiel, habe Schwierigkeiten damit, mich unterzuordnen. Besonders, wenn es darum geht, einen Großteil meiner Lebenszeit von anderen bestimmen zu lassen.

Das Angestelltenverhältnis war für mich kurzfristig erträglich, aber dennoch fühlte es sich wie eine Zeitverschwendung an. Bis letztens saß ich dort acht Stunden jeden Tag, und arbeitete an Dingen, die nicht mir, sondern meinen Vorgesetzten wichtig waren. Ich programmierte Handyapps, die bloß zu Marketingzwecken existieren. Es ist schwer zu argumentieren, inwiefern sie das Leben der Nutzer nachhaltig positiv beeinflussen.

Fast täglich nagte es an mir, meine Lebenszeit so zu verkaufen. Ich war ein Zahnrad einer Maschinerie, die mir nicht für nachhaltig sinnvoll erschien.

Viele würde das nicht stören, und sie würden gern ihre Zeit mit egal welchen Aufgaben verbringen, solange sie ein gutes, stetes Gehalt auf ihr Bankkonto rieseln sehen. Hauptsache, es macht Spaß, und die Kollegen sind freundlich. Daran ist nichts auszusetzen, solange es einen zufrieden macht.

Ich kann damit jedoch nicht zufrieden sein, weil mein Anspruch an meine Arbeit ein anderer ist. Meine Zeit sollte etwas dienen, was Menschen einen echten, greifbaren Mehrwert gibt. Deswegen fühlt sich dieser Tausch für mich an, wie eine Unterwerfung vor einem Sicherheitsnetz.
Deswegen musste ich dort kündigen. Nun steige ich in die Selbstständigkeit ein. Den wirtschaftlichen Erfolg kann ich nicht garantieren, aber immerhin die Tatsache, dass ich an etwas arbeiten werde, was mir sinnspendend erscheint.

Das ist es, was Individualisten ausmacht: Sie haben ein starkes Bedürfnis danach, ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen auszurichten, selbst, wenn es gegen die Tradition und jenseits des sicheren Terrains geht. Sie überraschen andere manchmal mit ihrer Entschlossenheit und übernehmen Verantwortung für sich selbst.

Diese Einstellung kann aber auch mal problematisch für Individualisten werden. Nämlich dann, wenn sie plötzlich auch Verantwortung für andere tragen, und dennoch an ihren gewohnten Gangarten und Entscheidungswegen festhalten. Wenn sie in eine Position gesteckt werden, in der es falsch ist, Entscheidungen ausschließlich eigenständig und frei vom Einfluss anderer zu treffen. In diesen Fällen müssen Individualisten über sich hinauswachsen und aktiv um Hilfe und Rat suchen.

Das ist eine Lektion, die ich in meinem Leben gelernt habe. Vielleicht habe ich es noch nicht erwähnt, aber etwa drei wertvolle Jahre meines Lebens habe ich Quidditch gespielt – einer Mannschaftsballsportart, die stark von Harry Potter inspiriert ist, aber auch für das reale Leben in einen komplexen, rauen Sport adaptiert wurde.

Vor vielen Jahren hatte ich mal gehört, dass es an vielen Orten gespielt wird. Als ich dann las, dass es das auch in meiner damaligen Stadt, Hamburg, gab, bin ich direkt zum Ausprobieren hingegangen, und dort geblieben.

Nach etlichen Trainings, Spieltagen, Turnieren und dem Einstieg in die Nationalmannschaft wurde ich, wie das Schicksal es so wollte, zum Trainer meiner Heimmannschaft, während ich gleichzeitig noch Spieler war.

Nun war ich, ein Individualist, in einer Position, in der ich Entscheidungen mit starken Auswirkungen für andere treffen musste: Wer spielt auf welcher Position? Wer bekommt Spielzeit? Was ist unsere Strategie?

Diese Entscheidungen traf ich hauptsächlich allein. In meinem Kopf war diese verkehrte Vorstellung, dass von mir als Trainer erwartet würde, ich wüsste alles; als müsste ich in der Lage sein, eigenständig die richtigen Entscheidungen treffen, sonst wäre ich nicht kompetent genug, um der Entscheidungsträger zu sein. Um Hilfe und Rat zu bitten, würde ein Zeichen der Schwäche sein.

Das war absolut dämlich. Es gab viele Leute in meinem Team, gute Spieler und ehemalige Trainer, die mich gern in den anstehenden Entscheidungen beraten hätten. Später erzählte man mir, man habe mein Nicht-Fragen so interpretiert, dass ich ihre Hilfe ablehnen würde. In Wahrheit war es mir bloß nicht bewusst, dass ich diese Hilfe in Anspruch nehmen könnte und sollte.

Während meine Aktionen als Trainer nicht katastrophal schlecht waren, habe ich mir dennoch einige Fehlentscheidungen erlaubt, die sich ganz einfach hätten vermeiden lassen können: Indem ich erkannt hätte, dass ich in dieser Rolle nicht mehr als Individualist denken durfte. Es war Zeit, sich auf andere Leute zu verlassen, um ihre Hilfe zu bitten und so die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen.

Zumindest war es mir eine gute Lehre für die Zukunft, sollte ich mal wieder in einer Position sein, in der ich Verantwortung für andere trage. Und ich gehe stark davon aus, dass dieser Fall wieder eintreten wird.

Die Meinung von anderen zur Seite legen

Für die allermeisten von uns wird es bloß eine theoretische Überlegung bleiben, wie es ist, wenn einen die Meinung von anderen kalt lässt. Mich definitiv eingeschlossen! Auch ich ertappe mich manchmal dabei, wie meine primäre Motivation für meine Taten darin liegt, dass ich die Anerkennung von anderen suche. Dass ich gemocht werden will, und mich das in meiner Handlung beeinflusst.

Das ist menschlich. Dafür kann man niemandem einen Vorwurf machen. Es ist aber auch eine Quelle von Sorge, Trauer und Enttäuschung. Du kannst nicht jedem gefallen. Das merken wir besonders heutzutage, wo es leichter denn je ist, seine Meinung kundzutun – Menschen sind verschieden, und genauso divers sind ihre Ansichten. Zu versuchen, jedem es recht zu tun, muss fehlschlagen. Es geht einfach nicht.

Der bekannteste Philosoph des Stoizismus, Seneca, sagte:

Leg zur Seite die Meinung der Welt; sie schwankt immer hin und her und nimmt immer beide Seiten ein.

Nun fragen wir uns also: Wie können wir uns freimachen von unserem Bedürfnis, anderen zu gefallen? Wie können wir uns auf das fokussieren, was uns wirklich wichtig ist – ohne unsere Ziele und Träume biegen und brechen zu müssen durch den Einfluss anderer?

Die beste, beeindruckendste Art, wie ich es ausgedrückt gehört habe, stammt vom Apple-Gründer Steve Jobs. Auf der Abschlussrede vor dem 2005er Jahrgang auf der Stanford-Universität gab Herr Jobs den Absolventen drei Lektionen auf den Weg – eine davon, wie er es schaffte, sein Leben so vollkommen seiner starken Überzeugung zu widmen: Dass es seine Bestimmung war, großartige Produkte erschaffen zu lassen.

Hinter seiner Antwort verbirgt sich ein weiteres Konzept des Stoizismus: Nämlich das Bewusstsein darüber, dass das Leben kurz ist.

Almost everything – all external expectations, all pride, all fear of embarrassment or failure – these things just fall away in the face of death, leaving only what is truly important. Remembering that you are going to die is the best way I know to avoid the trap of thinking you have something to lose.

You are already naked. There is no reason not to follow your heart.

Hier die deutsche Übersetzung:

Beinahe alles – alle Erwartungen anderer, jeder Stolz, jede Furcht vor Schande oder Fehlschlag – diese Dinge fallen einfach weg im Angesicht des Todes, und übrig bleibt nur das, was wirklich wichtig ist. Sich zu erinnern, dass man sterben wird, ist die beste Art, die ich kenne, um der Falle zu entgehen, zu denken, dass du etwas zu verlieren hättest.
Du bist bereits nackt. Es gibt keinen Grund, nicht deinem Herzen zu folgen.

Steve Jobs begleitete schon früh ein ominöses, unterschwelliges Gefühl, dass seine Zeit auf der Erde kurz sei, schon lange, bevor ihn seine erste Krebsdiagnose traf. Es erlaubte ihm, sich weniger Sorgen darüber zu machen, was andere von ihm dachten: Was für ihn zählte, war, seine Spur zu hinterlassen, mit dem Erbe des wertvollsten Unternehmens der Welt.

Also: Memento mori – bedenke deiner Sterblichkeit. Das ist eine Möglichkeit, sich nicht vom Urteil anderer Menschen beeinflussen zu lassen.

Zum Abschluss habe ich noch drei weitere kurze Tipps dafür.

Drei weitere Tipps, um frei vom Urteil und Einfluss anderer zu sein

  1. Werde dir bewusst, welche Dinge in deinem Leben du nicht aus eigenem Antrieb, sondern für andere tust

Das könnte man als die Voraussetzung von allem anderen sehen. Es ist meistens leichter, Verantwortung und Verpflichtungen aus dem Leben herauszustreichen, als auf gesunde Weise noch mehr hinzuzufügen. Streiche daher die Dinge aus deinem Verantwortungskreis heraus, die du nicht für dich, sondern für andere tust, und traue dich, Nein zu sagen. Deine Zeit solltest du so vehement verteidigen wie Frodo den einen Ring.

Der zweite Tipp ist konkret für die Berufswelt ausgelegt. Besonders interessant für die, die im Angestelltenverhältnis sind, und trotzdem mehr Eigenständigkeit wünschen:

  1. Lerne eine wertvolle Fähigkeit, die kaum andere in deinem Arbeitsumfeld beherrschen.

Wenn du ein Spezialist in einem Teilbereich deiner Arbeit wirst, wird dir keiner reinreden können. Man wird dich machen lassen müssen, und so wirst du weniger dem Einfluss deiner Chefs ausgesetzt sein.

  1. Denke für dich selbst, stecke dir deine eigenen Ziele

Das ist besonders wichtig. Werde dir bewusst, was du für erstrebenswert hältst, für dein Leben und für die Welt. Ist deine Überzeugung in dein Wertesystem stark genug, wird automatisch die Meinung anderer in den Hintergrund rücken, und du wirst dein Handeln, komme was wolle, nach deinen eigenen Zielen ausrichten.

Das bleibt kein Zuckerschlecken

Zuletzt sei Folgendes gesagt: Wir Menschen sind und bleiben soziale Tiere. Uns wird niemals egal sein, was andere von uns denken – warum, das habe ich in der Folge “Einsamkeit – Warum ambitionierte Menschen für sie anfällig sind” erläutert. Sie ist in den Shownotes verlinkt.

Auch, wenn wir diese Tipps aus dieser Folge nun als Werkzeuge haben, müssen wir uns immer wieder fragen: Ist es das, was ich will, oder jemand anderes? Was ist meine Haltung dazu? Was ist mir so wichtig, dass ich es zur Wirklichkeit werden lassen möchte – trotz des Gegenwindes?

Es sind simple Fragen – nur wenige Sterne, nach denen wir uns auf dem Weg des Individualisten richten müssen. Doch das heißt nicht, dass er einfach zu gehen ist.

Abmoderation

Hiermit endet die heutige Folge Charakter: Marke Eigenbau. Falls du mehr von mir hören willst, melde dich für meinen Flotte-Fünf-Newsletter an. Darin teile ich 5 Dinge: 2 Ideen von mir, 2 Experimente für die nächste Woche, und einen Gedankenanstoß für dich. Die Möglichkeit zum Anmelden findest du auf der Webseite zum Podcast (also hier!)

Danke dir herzlich fürs Zuhören! Es bedeutet mir viel.
Habe eine schöne Restwoche und bis bald.


Beitragsbild von Tingey Injury Law Firm auf Unsplash

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