Einsamkeit: Warum ambitionierte Menschen anfällig für sie sind

Über Einsamkeit wird im öffentlichen Diskurs über psychische Gesundheit kaum gesprochen. Dabei ist sie nicht nur traurig, sondern richtig gefährlich für Menschen zwischen 20 und 30 Jahren. Inwiefern ambitionierte Personen besonders anfällig für Einsamkeit sind, erfährst du in dieser Folge Charakter: Marke Eigenbau.

Shownotes

Vorwort
Bitte höre diese Podcastfolge nicht, wenn du in deinem Leben besonders schwer unter Einsamkeit leidest. Podcastfolgen, Videos oder Bücher über Einsamkeit zu konsumieren, wird dir nicht die Unterstützung bieten, die du brauchst, sondern dich, im schlimmsten Fall, noch tiefer runterziehen. Überlege dir, professionelle Hilfe zu suchen. Das ist ein Zeichen der Stärke, nicht der Schwäche.

Das hörst du in dieser Folge Charakter: Marke Eigenbau

  • Wie Patricks Ambition in einem Moment der Einsamkeit geboren wurde
  • Warum Einsamkeit gefährlich für die Gesundheit ist
  • Inwiefern Einsamkeit und Ambition Hand in Hand gehen
  • Welche Arten von Freunde es im Leben gibt
  • Was Patrick dafür tut, seine guten Freundschaften zu pflegen

Die Website des Podcasts

Hier findest du die brandneue Website: www.charaktermarkeeigenbau.de. Melde dich für den Flotte-Fünf-Newsletter an, in dem ich 2 Ideen von mir, 2 konkrete Experimente für die Woche und einen wertvollen Gedankenanstoß teilen werde.

Musik, die ich verwendet habe

Meine Musik beziehe ich von Epidemic Sound. Dort gibt es eine RIESIGE Bibliothek an fantastischer Musik und Soundeffekte für so gut wie jede Produktion. Alles, was du im Podcast hörst und nicht meine eigene Stimme ist, stammt von Epidemic Sound.
Für eine monatliche Pauschale darf man so viele Lieder und Soundeffekte in seiner Produktion verwenden, wie man will – wie Podcasts, Videos, Hörbüchern, …

Wenn du diesem Link hier folgst und dich anmeldest, bekommst du einen kostenlosen Probezeitraum und ich bekomme eine Vergünstigung auf mein laufendes Abonnement. Es handelt sich also um einen Referrerlink. Wenn du diesen Podcast unterstützen willst, dann ist das eine prima Möglichkeit dafür. Schau gern rein!

[01:42]: They Dream By Day – Dagdrom
[04:34]: Ebb & Flod – Threads (kein Schreibfehler)
[10:07]: Esme Cruz – Rhubarb
[15:46]: No Clues Left – Arthur Benson
[20:08]: On A Clear Morning – Sunfish Grove
[24:20]: Conquer – Megan Wofford

Kapitelmarken

[01:42]: Wie Patricks Ambition in Einsamkeit geboren wurde
[07:46]: Warum Einsamkeit gefährlich ist
[12:06]: Warum Einsamkeit und Ambition Hand in Hand gehen
[15:46]: Es gibt drei Arten von Freunde
[20:08]: Wie Patrick seine guten Freundschaften pflegt

Nützliche Links

Leon Hendrix’ YouTube-Kanal – Spricht ebenfalls über Ambition und über Entrepreneurship, und das in einer sehr humorvollen Art. Cooler Kanal!

Transkript

Vorwort

Bevor es mit dieser Episode los geht, möchte ich ein wichtiges Vorwort sprechen. Wie du am Titel erkennen kannst, geht es in dieser Folge um Einsamkeit. Falls du in deinem Leben außerordentlich schwer mit Einsamkeit zu kämpfen hast; so schwer, dass es dich in Richtung Depression bringt, dann möchte ich dich vorsichtshalber bitten, diese Episode nicht zu hören.

Das mag dir seltsam erscheinen, weil du denken magst, dass gerade diese Episode wie für dich gemacht ist, aber ich weiß von anderen Leuten, dass die Themen, die ich hier anspreche, kontraproduktiv wirken, wenn du das Gefühl hast, dass die Einsamkeit dich fest im Griff hat. Denn ab einem bestimmten Punkt führt unsere Einsamkeit zu negativen Gedankenmustern, physiologischen Reaktionen, die wiederum zu Teufelskreisen werden. Es ist ganz schwer, aus den herauszubrechen, und Podcastfolgen, Videos oder Bücher darüber zu konsumieren, die vor Einsamkeit warnen, ist leider wie Öl ins Feuer gießen. Die werden dir nicht die persönliche Unterstützung bieten können, die du brauchen magst, sondern du wirst dich im schlimmsten Fall noch schlechter fühlen als vorher.

Was ich dir empfehlen kann, ist, an dem Punkt um professionelle Hilfe zu bitten. Ich kenne mehrere Leute in meinem Bekanntenkreis, die glückliche Erfahrungen mit PsychotherapeutInnen gemacht haben. Vergiss die sozialen Stigmata. Es ist ein Zeichen der Stärke, nicht der Schwäche, um Hilfe zu bitten, wenn man sie braucht. Danke dir.

Wie meine Ambition in Einsamkeit geboren wurde

In meinem Kopf lebt eine Erinnerung. Es ist wohl die früheste Erinnerung in meinem Leben daran, wie ich merkte, dass ich nach “Mehr” im Leben suche. Mehr, als das traditionelle, von der Gesellschaft gezeichnete Bild vom Leben mit stabilem Job, zufriedener Ehe und einem Haus im Vorort. Es ist für viele Menschen das Richtige, aber ich… wollte nach etwas Anderem suchen. Einen eigenen Lebensweg.

Es muss um das Jahr 2010 gewesen sein. Ich war 14 Jahre alt. Ich hatte lange Haare, spielte gern Videospiele und war manchmal etwas frech zu Lehrern. So im Rückblick werde ich selbst aus mir nicht ganz schlau. Meistens war ich ruhig und schweigsam, aber dann im nächsten Moment stand ich im Zentrum der Aufmerksamkeit. Ich liebte beides. Aber gut, das ist auch heute nicht anders.

Was ich damals gern tat, ist ab und zu mit meinem geliebten Fahrrad in den Wald zu fahren, auf abgelegene Wege, die nur wenige Leute betreten. Ich kannte die Orte, an denen ich allein sein würde.
Was tat ich dort? Nun – allein sein. Sich mit seinen eigenen Gedanken, Fragen und Ideen auseinander setzen. Insofern kann “allein sein” durchaus nicht nur ein Zustand, sondern auch eine Aktivität sein.

Meistens hatte ich auch meine Fotokamera dabei und schoss einige Nahaufnahmen von Pflanzen und Käfern. Oder ich lauschte dem sanften Rauschen des Baches.
Einmal fuhr ich am Abend los, und nahm einige Pfade und Abzweigungen, die ich noch nicht kannte. Dann, irgendwann drohte es bereits dunkel zu werden. So dunkel, dass ich womöglich den Weg nicht mehr zurück finden würde. Ich versuchte also zurückzukehren, ungefähr in die Richtung, aus der ich gekommen war, aber so richtig wusste ich nicht, wo ich mich befand. Mein Herz begann zu pochen. “Ich muss hier irgendwie raus”, dachte ich, bekam Angst, ich fuhr und fuhr, bereute es tief, dass keiner wusste, wo ich war, für den Fall, dass..
Aber dann konnte ich tief durchatmen. Ich erkannte den einen Felsen am Weg wieder, und wusste wieder, wo ich mich befand und wie ich zurückkommen würde. Also alles gut.

Ja, ich war gern allein. Doch ich war nicht einsam, generell in meinen jungen Jahren. Allein sein bedeutet nicht einsam sein. Genauso wie umgeben von anderen Leuten sein nicht immer bedeutet, nicht einsam zu sein. Dazu aber später mehr.

Einen konkreten Tag habe ich noch im Kopf. Eine bestimmte Erinnerung. Es war ein Sonntag, ich war zuhause und schaute mir online Fotografien an. Nicht meine eigenen, sondern von guten, talentierten Hobbyfotografen. In dieser Galerie weckte ein Foto sofort meine Aufmerksamkeit. Ich hörte auf zu scrollen und war wie gebannt von diesem einen Bild.
Und nach mehreren Sekunden kamen mir langsam Tränen in die Augen; und ich spürte eine plötzliche, kalte Welle der Einsamkeit über mich hereinbrechen.

Was war auf diesem Foto zu sehen?

War es ein junges, verliebtes Pärchen? War es eine glückliche Familie, die mit ihrem Hund im Park spaziert? Nein, es war ein Bild einer maritimen, südländischen Küstenstadt bei Nacht. Sie war so stufig an einer Klippe gebaut, mit bunten, warmen Lichtern verziert, und es sah so einladend aus. Die Fotografin oder der Fotograf stand ebenfalls auf einem Felsen in der Nähe. Ich stellte mir vor, an der gleichen Stelle zu stehen, an einem warmen Sommerabend in der Meeresbrise, und in der Ferne Straßenmusik zu hören. In meiner Vorstellung lebten diese Menschen eng miteinander zusammen, in einer eng maschigen Gesellschaft; sie waren füreinander da. Und sie genossen ihr Leben.

Bei der Vorstellung überkam mich der Wunsch, das auch zu fühlen – was auch immer “das” ist. Ich wollte “mehr”, ich wollte nach “etwas” streben, und mich nicht mit dem Status Quo zufrieden geben. Plötzlich spürte ich dieses lodernde Feuer in mir, diese.. Ambition. In diesem Moment der Einsamkeit wurde meine Ambition geboren.

Ich nahm ein Notizbuch und einen Stift, und zu gleichen Teilen entschlossen wie melancholisch schrieb ich ein Versprechen an mich selbst nieder. Ich würde mein Leben der Suche widmen.
Der Suche wonach? Gute Frage. Ich nannte es tatsächlich “das Gefühl”, so benannte ich es damals. Das Notizbuch habe ich zwar nicht mehr, aber den Willen zu Suchen, den habe ich immer noch.

Einsamkeit war also ein Katalysator für die Ambition in meinem Leben. Warum ich glaube, dass diese zwei Dinge oft miteinander Hand in Hand gehen, warum Einsamkeit nicht nur traurig, sondern sogar gefährlich ist und was wir vielleicht dagegen tun könnten, darüber spreche ich in dieser Folge Charakter: Marke Eigenbau.

Warum Einsamkeit gefährlich ist

Wir sind heute verbundener denn je. Nie war es leichter, mit so vielen Menschen in Kontakt zu bleiben wie heute. Ich könnte sofort meinem alten Studienkumpel eine Textnachricht schreiben, schauen, was mein Schulschwarm derzeit so für Fotos postet, könnte Taylor Swift eine persönliche Nachricht schreiben, die sie vielleicht sogar liest und auf Twitch mit meinen Lieblingsstreamern stundenlang abhängen.

Es gibt also kein Grund mehr, einsam zu sein, richtig? Wo ich doch diesen allgegenwärtigen Kontakt zu anderen habe?

Wir alle wissen, dass das Quatsch ist. Das Leid der Einsamkeit ist nicht verschwunden, sondern präsenter denn je. In repräsentativen Umfragen in Deutschland haben 10% der Befragten im Jahre 2013 angegeben, sich häufig oder ständig einsam zu fühlen. 2019 waren es schon 17%. Dazu kommen noch 30%, die sich zumindest manchmal einsam fühlen. Und dieses Problem wird sicherlich in der Pandemie-Zeit nicht besser geworden sein.

Dabei ist Einsamkeit nicht nur eine temporäre, folgenlose Stimmung, es ist gefährlich für die Gesundheit und deine Lebenserwartung. Einsamkeit erhöht das Risiko für Herzkrankheiten um 29%, das Risiko für einen Schlaganfall um 32%. Es ist ein größerer Risikofaktor als Fettleibigkeit.
Es ist so schlimm für deine Gesundheit wie 15 Zigaretten am Tag zu rauchen.

Warum sprechen wir dann nicht darüber? Warum ist Einsamkeit kein Thema im öffentlichen Diskurs über psychische Gesundheit?

Die Antwort ist wohl, dass um den Begriff noch immer ein Stigma herumschwirrt. Einzelpersonen, die ihre Einsamkeit öffentlich thematisieren, die sich als einsame Person “outen”, die finden sich danach als noch einsamer wieder als vorher. Warum? Weil einerseits die Mitmenschen sich von “einsamen Losern” fernhalten, und andererseits weil diese Selbstidentifikation als einsamer Mensch dazu führt, dass die Person negative Handlungsweisen entwickelt, die dieses selbstauferlegte Image aufrecht erhalten.

Dabei kann man Einsamkeit wie ein eigentlich hilfreiches Gefühl von Hunger, Durst und Schläfrigsein sehen. Diese Gefühle schützen uns, indem sie uns daran erinnern, gesund zu bleiben, durch Ernährung und Schlaf.
Einsamkeit gehört definitiv auch zu diesen evolutionsbiologisch bedingten, menschlichen Bedürfnissen. Denn wir Menschen sind soziale Tiere. Schon immer in unserer Evolution galt es, dass wir gemeinsam stärker waren, und uns in Gruppen von bis zu 150 Leuten zusammengefunden haben. Wir teilten Aufgaben, Nahrung und Informationen, und so hatten wir bessere Überlebenschancen.
Man wurde in eine Gruppe hereingeboren und blieb in dieser meistens auch für den Rest seines Lebens. Aus dieser Gruppe aber ausgestoßen zu werden, war unheimlich gefährlich. Alleine waren die Überlebenschancen außerordentlich viel geringer, und das hat sich auf unsere Evolution ausgewirkt. Sozial zu sein wurde zu einem unserer Bedürfnisse.

Einsamkeit wie der Hunger zeigt uns, das wir dieses Bedürfnis erfüllen müssen, auch, wenn Einsamkeit heutzutage nicht mehr so gefährlich ist wie früher.

Und offensichtlich haben wir trotz unseren technologischen Entwicklungen noch immer nicht gelernt, wie wir dieses Bedürfnis stillen können.

Schon lange wissen wir, dass ältere Menschen zur Alterseinsamkeit neigen. Studien legen aber nahe, dass zusätzlich auch junge Erwachsene in den Jahren von 20 bis 30 in dieser transformativen Lebensphase, in der sich Wohnort, Beruf und Lebensumstände so häufig ändern, überdurchschnittlich einsam sind. Und ich möchte nun eine weitere Gruppe nennen, die zur Einsamkeit tendiert: Ambitionierte Personen.

Warum Ambition und Einsamkeit Hand in Hand gehen

Ich habe in meinem Leben schon eine Reihe an Sachbüchern gelesen. Ein Großteil davon zählt man in die Kategorie der Selbsthilfe. Ambitionierte Menschen stehen auf solche Bücher; sie erleichtern einem das Ziel, sich selbst zu verwirklichen.
Was diese Bücher häufig thematisieren, ist das Konzept der Kontrollüberzeugung. Inwiefern denkst du, dass die Geschehnisse in deinem Leben von deiner Handlung, von deinen Aktionen abhängen? Ambitionierte Menschen sehen die Kontrolle über ihr Leben in sich, sind überzeugt, dass sie im Fahrersitz ihres Lebens sitzen, und damit haben sie eine internale Kontrollüberzeugung. Ich persönlich kann mich damit auch identifizieren.

Diese internale Kontrollüberzeugung führt dazu, dass Menschen ihre Herausforderungen im Leben tatkräftig angehen und überzeugt sind, dass wenn sie nur genug Anstrengung, genug Fleiß, genug Durchhaltevermögen in ein Problem reinstecken, dass sie es mit ihrer eigenen Kraft auch lösen können. Sie haben die alleinige Verantwortung darüber, ob sie diese Herausforderung meistern können, oder nicht.

In einigen Fällen passt dieses mentale Modell aber einfach nicht, und so ist es auch beim Problem der Einsamkeit. Die offensichtliche Lösung ist es, tiefe Beziehungen zu neuen Menschen aufzubauen, oder die bestehenden zu intensivieren, und das geht eben nicht auf Knopfdruck; Kontrolle über diesen Prozess hat man nur bis zu einem bestimmten Punkt. Erfüllende Beziehungen kann man nicht mit genug Anstrengung, Fleiß und Durchhaltevermögen forcieren. Beziehungen haben viel mit Kontrolle abgeben und Dinge sich entwickeln und wachsen lassen.

Für selbstwirksame Personen ist das nicht leicht auszuhalten. Nachhaltige, gute Beziehungen findet man nur, wenn man sehr selektiv in der Auswahl der Freunde, Bekannten und Partner ist. Für einsame Menschen ist das frustrierend. Es ist so, als würde man durstigen Personen an einer Getränkebar diese und jene Getränke verbieten, weil sie nicht gut für einen sind. Man ist so nah, und doch so fern, von der Lösung seines Problems.

Die Überzeugung, volle Verantwortung für Herausforderungen im Leben zu tragen, ist also der erste Grund, warum besonders ambitionierte Menschen sich mit Einsamkeit schwer tun.

Der zweite Grund, und wohl der wichtigere, ist, dass ambitionierte Menschen nicht die allereinfachsten Freunde sind.
Sie fangen an, seltsame Gewohnheiten zu pflegen wie Meditieren oder Journalling. Sie haben weniger Zeit, da sie mehr Mühe und Ressourcen in sich selbst investieren. Sie fangen an, zu reisen, und verlassen so für längere Zeit ihr eigenes soziales Umfeld. Womöglich erreichen sie auch viel im Leben, so wie sie es sich vornehmen, und halten dabei unbeabsichtigerweise anderen den schmerzhaften Spiegel vor, der sie sich fragen lässt, was sie denn so im Vergleich erreicht haben.
Andere Themen als vorher beschäftigen ambitionierte Menschen – vielleicht also nicht mehr die Themen, wegen der ihr überhaupt erst Freunde geworden seid.

Ich habe es aus erster Hand erfahren, was geschieht, wenn der Unterschied in den Energieniveaus mit vorher engen Freunden einfach nicht mehr passt. In seltenen Fällen verliert man das, was ich als “Whiskey-Freunde” kenne.

3 Arten von Freunde

Was sind Whiskey-Freunde? Es ist eine von drei Kategorien an Freundschaften, die man im Leben hat. Diese Kategorisierung habe ich eiskalt von einem YouTuber namens Leon Hendrix gestohlen (der sie wiederum von jemand anderem gestohlen hat).

Es geht so: Du hast drei Arten von Freunde in deinem Leben.

Die erste sind Bierfreunde. Mit ihnen kannst du Spaß haben, Dummheiten anstellen, und bei einem Feierabendbier Witze reißen. Vielleicht geht ihr auch öfters zusammen aus. Es macht dir gute Laune, um sie herum zu sein. Ihr redet jedoch nicht über tiefgründiges Zeug. Dafür hast du andere Freunde.

Nämlich Weinfreunde. Mit ihnen teilst du das, was tief in dir so vorgeht. Emotionen, Gedanken, Träume, Hoffnungen. Ihr fordert gegenseitig eure Ansichten und euer Wissen heraus, mit dem Ziel, gemeinsam zu wachsen. Nachdem du Zeit mit diesen Weinfreunden verbracht hast, fühlt sich deine Seele genährt. Du verlässt diese Treffen mit einem Gefühl von intellektueller und spiritueller Erfüllung.

Zuletzt gibt es Whiskeyfreunde. Das sind die Freunde, die du als deine Familie bezeichnest. Es sind die Freunde, an die du zuerst denkst, wenn du gute oder schlechte Nachrichten teilen möchtest. Du bist für sie da, einfach weil sie es sind, und umgekehrt natürlich auch. Ihr verlasst euch aufeinander. Whiskey-Freunde zu haben gibt dir das Gefühl, ein Sicherheitsnetz zu haben und wohl aufgehoben zu sein.

Meine Vermutung ist es, dass alle Arten von Freundschaften wichtig sind, besonders aber Whiskeyfreunde. Es müssen gar nicht viele sein – im Schnitt haben Deutsche bloß 3,7 enge Freunde.

Ich selbst habe recht viele normale Freunde, aber doch nur zwei Personen, die ich als Whiskeyfreunde bezeichnen würde. Wenn es nach mir ginge, wären es gern mehr, aber hey. Wie ich vorhin sagte, kann man das nicht forcieren.

Und es geht auch gar nicht darum, möglichst viele Freunde zu haben, sondern wenige gute Freundschaften. Was im Kampf gegen die Einsamkeit wichtig ist, ist Qualität, statt Quantität, in unseren Kontakten, das wissen wir aus zahlreichen Studien.

Eine Studie war besonders beeindruckend für mich. Sie hat meine Sicht auf meinen gesamten Lebensstil nachhaltig verändert. Es ist eine Studie, die 1938 anfing – also schon seit 80 Jahren läuft. Sie hatte als Ziel, herauszufinden, welche Faktoren den größten Einfluss darauf haben, ob wir Menschen ein langes, glückliches Leben führen.
Das Ergebnis war eindeutig: Es sind nicht die gesellschaftliche Klasse, Intelligenz, Geld, Ansehen oder Genetik, sondern unsere engen Beziehungen, die uns unser Leben hindurch glücklich machen.

Es gibt einen wundervollen TED-Talk von dem Studienleiter, der damals als Juniorprofessor den Start der Studie begleitet hat, und nun, selbst ein Greis, die Ergebnisse vorstellt. Für mich ist diese Studie ein klares Zeichen, wo meine persönlichen Prioritäten im Leben liegen sollten: Nämlich in unseren Beziehungen.

Das führt uns zur letzten Frage in dieser Podcastfolge. Was können wir tun, um unsere engen Kontakte zu pflegen? Wie können wir uns von den flachen, ständigen Verbindungen im digitalen Zeitalter hin zu den tiefen, seelennährenden Beziehungen bewegen?

Ich möchte gar nicht behaupten, die absoluten Antworten zu haben. Auf gar keinen Fall. Einsamkeit ist ein komplexes Thema, und dafür gibt es keine magische Pille. Mein Ziel hier ist es bloß, die Schritte zu teilen, mit denen ich versuche, Einsamkeit aus meinem Leben fernzuhalten. Ich hoffe, es inspiriert dich.

Also, was sollen wir tun?

Telefonate statt Textnachrichten

Das Prinzip, das ich für erfüllende Beziehungen befolge, ist das der ungeteilten Aufmerksamkeit. Eine Textnachricht, die man tippt, während man auf dem Klo sitzt, gibt mir so gut wie gar kein Gefühl der sozialen Verbindung. Was ich lieber tue, und das hätte ich vor einigen Jahren niemals gedacht, ist Leute anzurufen. Nicht, während ich gerade auf dem Klo sitze, aber wenn ich zum Beispiel 20 Minuten Fußweg irgendwohin habe. Die nutze ich dann gern, um jemanden anzurufen, mit dem ich schon länger nicht gesprochen habe. In nur wenigen Minuten kann man so viele Themen ansprechen, auf die man über Text nicht gelangt wäre. Es ist eben ein natürliches Gespräch.

Textnachrichten sollten bloß für den kurzen Austausch von Informationen da sein, und nicht unsere normalen Gespräche ersetzen.
Sprache läuft auf viel mehr Ebenen ab als bloß über den Inhalt der Worte. Tonlage und Körpersprache machen den überwiegenden Großteil der Kommunikation aus. Und das fehlt komplett, wenn wir über Schrift korrespondieren.

Deswegen: Telefonate sind prima. Außer Telefonate mit fremden Menschen. Die hasse ich immer noch mit einer brennenden Leidenschaft. Die sind schrecklich.

Wochenendausflüge

Ich habe noch eine weitere Methode, um ungeteilte Aufmerksamkeit zu vergeben. Meine Lieblingsmethode, ich lieb’s. Und zwar auf gemeinsamen Ausflügen. Man nimmt sich einen Tag oder ein Wochenende lang Zeit, um an einem nicht zu trubligen Ort miteinander Zeit zu verbringen. Das sind für mich Highlights in meinem Jahr, auf die ich mich immer schon wochenlang freue. Man kehrt stets mit einem Gefühl der Leichtigkeit in den Alltag zurück. Wenn auch mit einer gewissen Wehmut, weil man es gern hätte länger andauern lassen.

Am besten plant man sie so früh wie möglich, damit man die Vorfreude auch auskosten kann. Meine wärmste Empfehlung: Wochenendausflüge!

Was ich noch empfehlen will: Vergiss deine Familie nicht. Eine gute Beziehung zu deiner Familie zahlt sich dein Leben lang aus. Falls das eine Option für dich ist…, dann halte gute Verbindung zu deiner Familie.

Wenn man keine Kontakte hat, die man pflegen könnte

Bisher habe ich darüber gesprochen, Kontakte, die man bereits hat, zu pflegen. Natürlich ist das eine Voraussetzung, die nicht jeder hat.

Die Lösung ist nicht, einfach unter Leuten zu gehen und schwupps, hat man neue Kontakte und Freunde. Einsamkeit ist in der Hinsicht wirklich schwierig – man kann unter Leuten sein und trotzdem einsam sein. Schließlich geht es um die Qualität der Kontakte, nicht die Quantität. Und je einsamer man ist, desto schwerer ist es, neue Kontakte zu knüpfen, da mit Einsamkeit ein soziales Stigma und negative Feedbackschleifen im eigenen Verhalten einher gehen. Wer als einsam gilt, reagiert sensitiver auf negative soziale Interaktionen und interpretiert neutrale soziale Interaktionen eher als negativ.
Ein wirklich verflixtes Ding.

Die Herausforderung liegt also darin, die richtigen Leute zu finden – die Qualität in den Kontakten zu finden.

Das erinnert mich daran, dass das einer der größten Gründe für mich war, diesen Podcast zu gründen. Weil ich etwas erstellen wollte, das Leute wie mich anziehen würde. So wollte ich, und möchte ich immer noch so ambitionierte Menschen kennenlernen. Es war also ein Communitybuilding-Aspekt.

Den Gedanken habe nun beim Schreiben dieses Skripts weitergesponnen. Wie könnte ich den Community-Aspekt verstärken? Was könnte ich tun, um in engeren Kontakt mit meinen Zuhörerinnen und Zuhörern zu treten?

Ich habe mich dann entschlossen, das Prinzip der ungeteilten Aufmerksamkeit anzuwenden. Erst vor 2-3 Tagen habe ich also eine Meetup-Gruppe gegründet, in der ich in die Beschreibung schrieb: “Hey, das ist die Gruppe für dich, wenn deine Freunde Folgendes über dich sagen würden: Er oder sie hat ein Feuer in sich, ist irgendwie bisschen anders, scheint das Leben voll auskosten zu wollen, scheint manchmal bisschen rastlos, probiert seltsame Dinge aus”, so etwas schrieb ich halt.

Und siehe da, eine gute Menge an Leuten trat der Gruppe bei, und ich bekam eine Nachricht von einem Typen, der die Gruppenbeschreibung ganz toll fand: Er sei auf der Suche nach anderen Leuten gewesen, die ihm ähneln, bloß konnte er es nicht so recht benennen, wonach oder nach wem er genau suchte. Es lag ihm auf der Zunge. Er freue sich sehr auf das erste Treffen.

Für mich zeigt das, wie viele Leute ein Bedürfnis danach haben, ihre Leute zu finden. Es muss noch nicht einmal der Fall sein, dass sie einsam sind. Wir Menschen sind einfach soziale Tiere. Unser Instinkt führt dazu, dass es schon reichen kann, die metaphorische Flagge hochzuhalten, zu sagen, wer man ist, woran man glaubt und dass man gern Gleichgesinnte finden würde; und es werden sich Leute unter dieser Flagge sammeln und sie mit dir tragen.

Einsamkeit mag dadurch nicht komplett von der Erde geschafft werden. Doch wir haben zusammen eine sehr viel bessere Chance, sie zu besiegen.

Das war die heutige Folge Charakter: Marke Eigenbau. Wenn du zwischen den Podcastfolgen mehr von mir hören willst, dann besuche www.charaktermarkeeigenbau.de, und melde dich für den Flotte-Fünf-Newsletter an. Wöchentlich sende ich darin zusätzlich Neuigkeiten von mir rum, was die Strecke zwischen den Podcastfolgen hoffentlich gut überbrückt.

Ich danke dir für’s Zuhören. Hab eine schöne Restwoche und bis bald.

Beitragsbild von Sasha Freemind auf Unsplash

Abonnieren

Leave a Reply

Your email address will not be published.